Einen besseren Start in das neue Jahr kann mein Blog sich kaum wünschen: Meine liebe Kollegin Simone Harland aus dem weltbesten Netzwerk Texttreff (TT) schreibt in einem wunderbaren Beitrag darüber, was Texter und Nicht-Texter beim Schreiben besser weglassen. Dankeschön, liebe Simone, für den feinen Beitrag und allen Lesern wünsche ich viel Spaß damit.

Das Thermomenter fällt ... (Foto: Simone Harland)
Das Thermomenter fällt … (Foto: Simone Harland)

Leere Redewendung, Plattheit, nichtssagendes Geschwätz – all das bedeutet dem Duden zufolge das Wort Floskel. Umgangssprachlich wird diese Definition meist um abgedroschene Redewendungen oder Begriffe erweitert. Redewendungen, die Schreibende unbewusst benutzen, weil sie so zum alltäglichen Sprachgebrauch gehören, dass sie wie von selbst aus der Tastatur flutschen.

Für beide Floskelformen gilt: Sie sparsam zu verwenden, verbessert Texte.

Bläh-Floskeln

Nach der Duden-Definition sind Floskeln Wörter oder Redewendungen wie „quasi“, „sozusagen“, „halt eben“, „im Endeffekt“ oder „vom Grundsatz her“, die einen Text aufblähen, aber nichts aussagen. Manchmal lässt er sich durch die Floskeln sogar schwerer lesen. Das freut Verfasser, die mit ihrem Text Eindruck schinden wollen (bei wem auch immer). Schön ist aber was anderes.

In der gesprochenen Sprache verwenden viele Menschen diese Art von Floskeln. Denn die Füllwörter schinden Zeit, die Sprechende manchmal brauchen, um den Rest eines Satzes in Gedanken zu formulieren. Selbst, wenn es nur Bruchteile von Sekunden dauert, sie auszusprechen. In Mono- oder Dialogen gehören sie daher quasi (höhö) dazu. GesprächspartnerInnen nehmen sie deshalb auch kaum wahr, es sei denn, das Gegenüber benutzt die gleiche Floskel ständig. Füllwörter in Texten hingegen ermüden, kommen sie zu oft vor.

Bäh-Floskeln

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit leuchten in allen möglichen Texten so viele Kinderaugen, dass sie eine Kleinstadt erhellen könnten. Manche UnternehmerInnen fühlen sich besonders innovativ, wenn sie ihre Firma in einer Broschüre mal wieder als innovativ bezeichnen. Und im Winter fallen so viele Thermometer, dass die Erschütterungen einen Schneeballeffekt auslösen müssten, der auf der anderen Seite der Weltkugel zu einem Erdbeben führt.

Zugegeben: Die Wörter und Wortkombinationen „leuchtende Kinderaugen“, „innovativ“ und „Innovationen“ sowie das (zudem noch falsche) „das Thermometer fällt“ gehören zu den abgedroschensten Floskeln überhaupt. Trotzdem werden sie immer noch benutzt. Aus Unüberlegtheit, aus Zeitnot, manchmal aber auch aus einer Ist-mir-doch-egal-Haltung heraus. Dabei ist es gar nicht so schwer, Formulierungen zu wählen, die interessanter und treffender zugleich sind.

Anstelle die Floskel „leuchtende Kinderaugen“ zu verwenden, könnte man – vorausgesetzt, es bietet sich textlich an – z. B. die Freude eines einzelnen Kindes genauer beschreiben:

„Die Augen des kleinen Mädchens weiteten sich. Ihre Mundwinkel gingen in die Höhe. Sie stieß einen Jauchzer aus und fiel ihrer Mutter um den Hals.“

Auch der Begriff „innovativ“ lässt sich leicht ersetzen. Durch eine genaue Beschreibung, was an der Firma oder dem hergestellten Produkt denn nun so aufsehenerregend neu ist:

„Der Saugroboter Pustweg-5 saugt jeden einzelnen Staubpartikel selbstständig auf, fährt nach dem Saugvorgang durch die Saugroboterluke (nicht im Preis inbegriffen) ins Freie und pustet den Staub in die Außenluft. Sie brauchen keine Staubbeutel mehr und Ihr Müllvolumen verkleinert sich. Sie brauchen nur ein allein stehendes Haus ohne direkte Nachbarn.“

Bei den fallenden Thermometern dürfte der Ersatz klar sein.

Welche Floskeln die deutschen Medien aktuell besonders häufig verwenden, erfahren Sie übrigens auf der Website der Floskelwolke.

Hurräh-Floskeln

Hurräh-Floskeln (jaja, schon gut: Das ist ein alberner Begriff, der nur des Reims wegen gewählt wurde) sind Redewendungen, die in bestimmten Situationen stets ähnlich verwendet werden und trotzdem nicht abgedroschen sind, weil sie genau das ausdrücken, was sie ausdrücken sollen. Dazu gehört z. B. das „herzliche Beileid“, das man den Angehörigen eines Verstorbenen ausspricht und das in den meisten Fällen mit echtem Mitgefühl verbunden ist.

Ebenso dazu zählt so manche Floskel, die beim Small Talk verwendet wird („Mein Name ist Max Musterelch.“ „Elvira Hüte-Hund. Angenehm.“). Diese Floskeln erleichtern es, mit bislang unbekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Wer sie benutzt, kann zudem in den meisten Situationen sicher sein, sich korrekt zu verhalten – außer in der Gesellschaft von Menschen, die Konventionen ablehnen.

Deshalb zum Schluss nun eine weitere positiv besetzte (und ernst gemeinte, wenn auch etwas verspätete) Floskel:

Auf einen guten Start in ein gesundes und frohes neues Jahr!

(c) Simone Harland

Über Simone Harland

Simone Harland ist Autorin und Redakteurin mit den Spezialgebieten Medizin und Gesundheit, Arbeitsrecht, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Zeitgeschichte, Ernährung und Familie. Als Sachbuchautorin, Ghostwriterin, Journalistin, Texterin, Redakteurin und Lektorin ist sie eine ausgewiesene Expertin und leidenschaftliche Textarbeiterin, die sich mit immer neuen Themen und Fachgebieten beschäftigt und Fans und Leser in ihrem Blog „Im Harland“ und im Magazin „Geboren in den Sechzigern“ daran teilhaben lässt.

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