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15. Januar 2016

Der Bürstenmacher kann Storytelling

Wie ein traditioneller Handwerksbetrieb seine Kunden überzeugt

Der Bürstenmacher kann Geschichten erzählen

Der Bürstenmacher Anders Lund kann Geschichten erzählen

Jedes Unternehmen kann Geschichten erzählen. Und gerade Unternehmen im Mittelstand oder mit häufigem Kundenkontakt erleben viele Geschichten, die in PR und Kommunikation gut aufgehoben sind. Im Sommerurlaub in Dänemark überraschte mich im letzten Jahr ein traditioneller Bürstenmacher mit bestem Storytelling.

Das schöne Geschäft des Bürstenmachers liegt in einer Seitenstraße der Fußgängerzone in Hjorring, im Norden von Dänemark. Es ist bis fast an die Decke voll mit Bürsten, Besen, Körben und schönen Dingen, die einfach in die Hand genommen werden wollen und sich wunderbar verlässlich anfühlen. Auf den ersten Blick ist kein Verkäufer zu sehen. Erst wenn ein neugieriger Kunde den Verkaufsraum betritt, kommt Bürstenmacher Anders Lund aus seiner Werkstatt und zur Sache.

Der Bürstenmacher erzählt nicht nur Geschichten

Mit einem freundlichen „Hello, come in … welcome to Lund Borstenbinder!“, lädt er in sein Geschäft ein und ist mit einem „Was kann ich für Sie tun? Wonach suchen Sie?“, direkt beim Kunden und mit ihm in Gespräch. Als erstes kommen harte Fakten: Alle seine Bürsten und Körbe sind handgemacht und halten bei guter Pflege ein Leben lang! Anders Lund erzählt. Er sei der letzte Bürstenmacher in Europa – das glaube ich ihm auf’s Wort! – und fertigt alles in Handarbeit. Er kennt die besten Haare und Borsten für jeden Einsatz und bezieht sie aus der ganzen Welt. Darum halten seine Bürsten auch ein Leben lang. Er erklärt, wie sie gemacht werden, warum sie besser sind als alle anderen Bürsten, insbesondere besser als die aus China. Er erläutert, wie man sie benutzt, warum der Griff der Spülbürste gebogen ist und nicht gerade und – das ist das Wichtigste – wie man sie richtig zum Trocknen aufhängt. Am besten hängt die handgemachte Bürste nämlich an einem Haken frei in der Luft, so dass die Borsten abtropfen und vollständig frei an der Luft, am besten im Fenster, trocknen können. Auf keinen Fall darf eine handgearbeitete Bürste mit Naturbosten im Liegen trocknen. Dann ist sie ruckzuck hin.

Überzeugend vom Kopf bis zur Ladentür

Dieser Mann ist von der ersten Sekunde an ganz nah am Kunden und absolut überzeugend. Mit warmer, eindringlicher Stimme gibt er seinen Ausfürhungen Nachdruck, mit seinem freundlichen Gesicht und bemerkenswerten Mimik wechselt er zwischen Erstaunen, Entsetzen, Freude. Er zeigt ehrliche Anteilnahme, dass der Kunde noch mit der Hand und einem Schwamm („Iiiih!“) im ekligen Spülwasser fischt und erklärt uns nachdrücklich, dass das Leben mit einer Spülbürste einfacher und schöner ist. Und wenn man sie richtig behandelt – richtig trocknet! – halten auch seine Spülbürsten ein Leben lang. Kauferlebnis pur, in einem traditionellen Laden für Bürsten und Besen. Hätte mir vor unserem Ausflug nach Hjorring jemand erklärt, dass wir mit einer Spülbürste, einer Kleiderbürste und einer neuen Handbürste an unseren Urlaubsort zurückkehren – ich hätte verständnislos mit dem Kopf geschüttelt. Aber genau so geschah es.

Bürsten und Besen vom Boden bis zur Decke

Bürsten und Besen vom Boden bis zur Decke: Eine ist jetzt meine

Jedes Unternehmen hat tolle Geschichten

Ohne Zweifel betreibt der Bürstenmacher in Hjorring kein Zukunftsgeschäft. Als letzter seiner Art ist es wohl eher ein aussterbendes Business. Er verzichtet auf einen Internet-Shop, weil er mit seinem Ladengeschäft zufrieden ist und mit Bestellungen nur Ärger hatte. Wer weiß, ob sich das einmal ändern wird und ob sein Nachfolger in der Zukunft einmal auf Online-Vermarktung setzt. Aber: Er hat ein überzeugendes Konzept. Er und sein Handwerk sind die tragenden Säulen. Er ist ein Profi und weiß wie es geht.  Er kennt die Stärken seiner Produkte und die Schwächen aller anderen. Er verkauft mit überzeugenden Geschichten und erzählt sie so anschaulich, dass ich das Spülwasser quasi an meinen Händen spüre, in unterhaltsamen Geschichten und Anekdoten an Kunden, die seine Arbeit zu schätzen wissen.

Dieser Bürstenmacher hat mich beeindruckt. Weil er aus dem Bauch heraus die Kunst des Storytelling für sein Geschäft nutzt und sie so begeistert zelebriert, dass man gar nicht anders kann, als eine Bürste zu kaufen. Das urige Ladengeschäft, die schöne Warenpräsentation, das haptische Erlebnis beim Anfassen einer tollen Bürste und seine fachkundige und humorvolle Beratung sind ein so rundes Kauferlebnis, das ich jedem, der eine (oder keine) Bürste braucht, einen Besuch ans Herz lege. Schauen Sie sich an, wie es der Bürstenmacher in Hjorring macht und entdecken Sie vieles, das Kommunikation erfolgreich macht: Konzept, Image, Positionierung, Storytelling, Warenpräsentation und das gute alte Verkaufsgespräch.

Wer neugierig auf den Bürstenmacher Lund in Hjorring geworden ist, kann ihn in diesem kleinen Video zumindest kurz live erleben. Wer sein Geschäft für Bürsten und Besen besuchen möchte, findet es an der Skolegade 1 A in Hjorring/Dänemark und freut sich an seinen Geschichten. Wetten, dass Sie seinen Laden nicht ohne eine Bürste verlassen?

 

Jedes Unternehmen kann Geschichten erzählen. Oft ist es nicht leicht, sie zu finden, aber es lohnt sich. Ich erarbeite Konzepte und Maßnahmen für Unternehmen, die Ihre Geschichten zu Kunden, Mitarbeitern oder in die Medien bringen wollen und so ihre Unternehmenskommunikation erfolgreicher machen. Wenn Sie mehr wissen möchten, bin ich gern für Sie da.

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Kommentare

  1. Michael

    Ich habe vor 15 Jahren genau so eine Spülbürste gekauft. Da ich keine Geschirrspülmaschine habe, nutze ich die Bürste mehrfach täglich. Und man glaubt es nicht, sie ist fast wie neu! Wie es aussieht, hält sie mindestens nochmal 15 Jahre.

    • Das klingt sehr gut, ich drücke die Daumen für die nächsten 15 Jahre ;o). Da kann ich mir gut vorstellen, dass Sie Ihre nächste Spülbürste wieder beim Bürstenmacher kaufen!

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